Offensichtlich hatte Nobelpreisträger Linus Pauling doch recht: Vitamin C in hoher Dosierung wirkt auch gegen Krebs. Inzwischen
gibt es einige Studien, die seine Arbeiten belegen. Man spürt es nicht und es tut nicht weh: Das Tückische an einem Vitamin-
C-Mangel ist, dass man ihn lange nicht bemerkt. Krebspatienten leiden besonders häufig an Vitamin-C-Mangel, aber die meisten wissen es nicht.
Besonders nach einer klassischen Behandlung mit Operation, Strahlen oder Chemotherapie ist der Verbrauch an Vitamin C, aber auch an anderen Antioxidantien so hoch, dass der Spiegel unter die Nachweisgrenze sinken kann. Jeder 30. Krebspatient
entwickelt sogar die Vitamin-C-Mangel-Erkrankung Skorbut, an der früher Seefahrer erkrankten, die monatelang ohne frisches Obst und Gemüse auskommen mussten.
Diese Mangelerscheinungen lassen sich beispielsweise durch eine Hochdosis Vitamin-C-Infusion vermeiden. Außerdem verbessert sich dadurch die Lebensqualität der Patienten deutlich. Das belegt eine Studie an 788 Brustkrebspatientinnen, in der 409 Frauen nach der Operation zusätzlich zur konventionellen Behandlung 7,5 g Vitamin C erhielten, das in der Regel ein bis zweimal pro Woche über
einen Zeitraum von 6 Monaten injiziert wurde. Die anderen 379 Patientinnen bildeten die Kontrollgruppe. Die Ergebnisse sprachen eindeutig für die Vitamin C-Behandlung: Diese Patientinnen waren in einem besseren Allgemeinzustand und auch ihr psychisches Befinden war deutlich besser.
Die Geschichte von Vitamin C in der Krebstherapie beginnt in den 70-er Jahren als Cameron und Pauling berichteten, dass hoch dosiertes Vitamin C die Überlebenszeit von Krebspatienten mit fortgeschrittener Erkrankung verlängert. Den Patienten wurden 10 g Vitamin C pro Tag gespritzt. Wie so oft wurde auch diese Studie wegen ihres Aufbaus heftig kritisiert: Die Patienten, welche
das Vitamin C erhielten, waren nicht zufällig bestimmt worden (keine Randomisierung). Außerdem äußerten Kritiker Zweifel an der Vergleichbarkeit mit der Kontrollgruppe.
Daraufhin führte kurze Zeit später die Mayo-Klinik zwei Studien durch, in der ebenfalls 10 g Vitamin C gegeben wurden. Diese Studie entsprach den Kriterien der Kritiker. Die Ergebnisse zeigten hier aber keine Wirkung des Vitamin C gegen Krebs, sie standen im Widerspruch zu der vorangegangenen Studie. Allerdings gab es einen entscheidenden Unterschied: Cameron und
Pauling hatten das Vitamin gespritzt und damit den Magen-Darm-Trakt umgangen, die Studien der Mayo-Klinik waren mit Vitamin-C-Präparaten zum Schlucken durchgeführt worden. Diese Ergebnisse bestätigen Vermutungen, wonach hoch dosiertes Vitamin C gespritzt werden muss, um eine Wirkung gegen Krebs zu entfalten, denn die Kapazität des Darms zur Aufnahme
von Vitamin C ist begrenzt (siehe Dosierungsempfehlung). Eine Studie von Levine hat außerdem gezeigt, dass hoch dosiertes Vitamin C Krebszellen unschädlich macht, während gesunde Zellen unbehelligt bleiben. Das Vitamin wirkt im Tumorgewebe offensichtlich anders als in gesunden Zellen.
Auch in der Vorbeugung von Krebs und anderen chronischen Erkrankungen leistet Vitamin C viel. Hinweise dafür lieferte eine epidemiologische Studie aus dem Jahr 2001 (Khaw, Bingham et al. 2001). In dieser Studie wurden bei 20 000 Männern und Frauen die Vitamin-C-Spiegel erfasst und über einen Zeitraum von 4 Jahren in Beziehung zur Sterblichkeitsrate gesetzt.
Hier zeigte sich ein Zusammenhang zur Vitamin-C-Konzentration im Blut: Die Krebssterblichkeit lag bei Männern mit hohem Vitamin-C-Spiegel insgesamt niedriger. Bei Frauen war das Ergebnis etwas weniger deutlich ausgeprägt. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Frauen häufig an hormonabhängigen Tumoren wie Brust- oder Eierstockkrebs erkranken. Andere Ursachen für die Krebsentstehung sind bei Frauen möglicherweise seltener. Wie man heute weiß, verhindert Vitamin C nicht nur die Mangelerkrankung Skorbut, es ist auch Teil des körpereigenen antioxidativen Schutzsystems, über das in letzter Zeit immer öfter berichtet wird. Hier hat es die Aufgabe, so genannte freie Radikale unschädlich zu machen, die sonst wichtige biologische Substanzen und die Zellen selbst schädigen sowie Entzündungen begünstigen.
Vitamin C ist nicht gleich Vitamin C – Vitamin C kommt im menschlichen Organismus als Ascorbation vor. Der Körper kann Vitamin C
nicht selbst herstellen. Es ist ein so genannter essentieller Nährstoff, der aus der Nahrung aufgenommen werden muss. Reines Vitamin C wird vom Organismus schneller wieder ausgeschieden als natürliches, beispielsweise jenes aus der Acerola-Kirsche. Wirklich gutes Vitamin C hat seinen Preis. Allzu billige Produkte aus China stehen in Verdacht, mit Schwermetallen verunreinigt zu sein.
Wer zwischen Kapseln und Tabletten wählen kann, sollte sich für Kapseln entscheiden, sie enthalten weniger Hilfsstoffe. Im Idealfall wird die Vitamin-C-Gabe gleichmäßig über den ganzen Tag verteilt. Neuerdings gibt es so genannte „time-released“ Präparate, sie sind jedoch zu niedrig dosiert. Für eine Hochdosis-Behandlung sollte das Vitamin C injiziert werden.
Vitamin C in der Nahrung
Besonders viel Vitamin C enthalten: Orangen, schwarze Johannisbeeren, Kiwi und Papaya sowie Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl und Paprika. Kochen zerstört das hitzeempfindliche Vitamin C: Wählen Sie schonende Garmethoden mit wenig Hitze wie
Dämpfen oder Dünsten. Bereiten sie das Gemüse erst unmittelbar vor dem Kochen zu, denn Licht und Sauerstoff sind ebenfalls schädlich. Auch Fleisch enthält Vitamin C: Rinder- oder Schweineleber enthalten etwa ebenso viel Vitamin C wie Tomaten und immerhin halb so viel wie Orangen – nämlich rund 25 mg/100 g.
Wie viel Vitamin C für wen?
Der Tagesbedarf von Gesunden liegt bei 150 mg, während eines akuten Infekts sind 500 mg pro Tag sinnvoll. Während oder nach Chemo- oder Strahlentherapien kann der Bedarf auf mehrere Gramm pro Tag ansteigen. Vitamin C ist zwar wasserlöslich und wird wieder ausgeschieden. Trotzdem sollte es in hoher Dosierung über einen längeren Zeitraum nur in Absprache mit einem Arzt oder Therapeuten eingenommen werden.